Bewertungsausgleich

Als Bewertungsausgleich oder Multiple Compression wird an der Börse ein Rückgang der Bewertungskennzahlen eines Unternehmens bezeichnet, obwohl sich dessen operative Entwicklung nicht zwingend entsprechend verschlechtert haben muss.

Dabei sinkt beispielsweise das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) oder ein anderes Bewertungsmultiple, das Anleger einem Unternehmen zugestehen.

Vereinfacht gesagt:
Der Gewinn kann weiter wachsen – aber der Markt ist nicht mehr bereit, dafür denselben hohen Preis zu bezahlen.

Beispiel

Ein Unternehmen verdient 10 Euro je Aktie und wird mit einem KGV von 30 bewertet.

Der Aktienkurs beträgt damit rechnerisch:

10 € × 30 = 300 €

Steigt der Gewinn später auf 12 Euro je Aktie, wäre das zunächst positiv.

Sinkt gleichzeitig aber das vom Markt akzeptierte KGV von 30 auf 20, ergibt sich:

12 € × 20 = 240 €

Obwohl der Gewinn um 20 % gestiegen ist, fällt der Aktienkurs von 300 auf 240 Euro.

Der Grund ist die Multiple Compression.

Warum kommt es zu Multiple Compression?

Ein Bewertungsausgleich kann unterschiedliche Ursachen haben. Häufig spielen mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle, zum Beispiel:

  • steigende Zinsen
  • höhere Renditen sicherer Anleihen
  • sinkende Wachstumserwartungen
  • höhere Risikoaufschläge
  • zunehmender Wettbewerb
  • konjunkturelle Unsicherheit
  • regulatorische Risiken
  • enttäuschende Unternehmensprognosen
  • allgemeine Verschiebungen von Growth zu Value

Besonders anfällig sind Aktien, die zuvor mit sehr hohen Bewertungsmultiples gehandelt wurden.

Zinsen und Bewertung

Steigende Zinsen können Multiple Compression begünstigen.

Der Grund: Zukünftige Gewinne werden bei höheren Zinsen stärker abgezinst. Gleichzeitig werden Anleihen und andere verzinsliche Anlagen attraktiver.

Anleger sind dann häufig nicht mehr bereit, für weit in der Zukunft liegende Gewinne sehr hohe Bewertungen zu bezahlen.

Vor allem Wachstumsaktien können davon betroffen sein.

Multiple Compression trotz guter Unternehmenszahlen

Ein wichtiger Punkt ist, dass Multiple Compression nicht automatisch bedeutet, dass ein Unternehmen schlechter geworden ist.

Ein Unternehmen kann weiterhin:

  • Umsatz steigern
  • Gewinne erhöhen
  • Free Cashflow verbessern
  • Marktanteile gewinnen

und die Aktie kann trotzdem fallen.

In diesem Fall liegt das Problem nicht unbedingt im Unternehmen, sondern in der Bewertung.

Multiple Expansion als Gegenteil

Das Gegenteil der Multiple Compression ist die Multiple Expansion.

Dabei ist der Markt bereit, für denselben Gewinn ein höheres Bewertungsmultiple zu bezahlen.

Beispiel:

Gewinn je Aktie: 10 Euro
KGV steigt von 15 auf 25.

Der rechnerische Aktienwert steigt dadurch von:

150 € auf 250 €

obwohl sich der Gewinn nicht verändert hat.

Bedeutung für Anleger

Multiple Compression zeigt, warum ein gutes Unternehmen nicht automatisch eine gute Aktie zu jedem Preis ist.

Wer eine Aktie zu einer sehr hohen Bewertung kauft, geht nicht nur ein operatives Risiko ein, sondern auch ein Bewertungsrisiko.

Selbst wenn das Unternehmen seine Gewinne steigert, kann eine sinkende Bewertung die Kursrendite über Jahre belasten.

AKTIENPEDIA® Kurz erklärt

Multiple Compression bedeutet: Das Unternehmen verdient möglicherweise weiterhin mehr Geld, aber Anleger zahlen für jeden Euro Gewinn weniger als zuvor.

Oder noch kürzer:

Gute Zahlen schützen nicht vor fallenden Kursen, wenn die Bewertung zuvor zu hoch war.

Erkenntnis: Kapital!


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Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und Finanzbildung und stellt ausschließlich die persönliche Meinung bzw. Einschätzung des Autors dar. Er stellt weder eine Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung für Wertpapiere oder andere Finanzinstrumente dar. Investitionen sind mit Risiken verbunden. Kursverluste bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals sind möglich.

Über Käptain Cashflow
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Captain Cashflow – der Aktienprediger

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